Aktion Orange your City Bochum: Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Aktion Orange your City Bochum: Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Die Bekämpfung von Gewalt an Frauen und Mädchen ist eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung. Jede dritte Frau wird in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Opfer physischer oder sexualisierter Gewalt. Angesichts dieser alarmierenden Zahlen ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit essenziell. Die globale Kampagne "Orange your City" setzt rund um den 25. November, den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, ein weithin sichtbares Zeichen. Die Initiative wird von UN Women im Rahmen der 16 Tage Aktivismus initiiert. Die Stadt Bochum beteiligt sich aktiv an dieser wichtigen Aktion und zeigt damit ihr klares Bekenntnis, Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen und Mädchen vorzugehen. Dieser Artikel beleuchtet die Bochumer Initiative, ihre Akteure und die notwendigen Schritte, die auch Betriebe und Personalverantwortliche zur Prävention ergreifen müssen.

Die internationale Initiative: Orange your City als globales Signal

Der 25. November markiert den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Dieser Gedenktag wurde 1981 von lateinamerikanischen Aktivistinnen ins Leben gerufen und 1999 offiziell von den Vereinten Nationen anerkannt. Er erinnert an die Ermordung der drei Schwestern Mirabal in der Dominikanischen Republik im Jahr 1960. Seit 2008 steht die weltweite Kampagne "Orange your City" im Zentrum der Aktivitäten.

Ziel der Kampagne ist es, auf die hohe Prävalenz von Geschlechtsspezifischer Gewalt aufmerksam zu machen und ein deutliches Nein zu Gewalt zu artikulieren. Die Kampagne fällt in die 16 Tage Aktivismus, die jährlich vom 25. November bis zum 10. Dezember (Internationaler Tag der Menschenrechte) dauern. Dieser Zeitraum betont, dass Gewalt gegen Frauen eine fundamentale Verletzung der Menschenrechte darstellt.

Die Farbe Orange dient als globales Symbol für eine gewaltfreie Zukunft. Weltweit werden in diesem Zeitraum markante Gebäude, Denkmäler und öffentliche Plätze orange beleuchtet. Dies schafft maximale Sichtbarkeit und soll die Zivilgesellschaft sowie politische Entscheidungsträger zum Handeln bewegen. Die Initiative "Orange your City" ist somit ein wichtiger Bestandteil der globalen Präventionsarbeit von UN Women, um die Öffentlichkeit für das Thema zu mobilisieren und die Dunkelziffer von Gewalt zu verringern. Die Beteiligung vieler Städte verdeutlicht das globale Ausmaß des Engagements.

Aktion Orange your City Bochum: Lokale Akteure und Maßnahmen

In Bochum wird die Kampagne durch eine breite Kooperation zwischen Stadtverwaltung, Zivilgesellschaft, Sport und Wirtschaft getragen. Das Referat für Gleichstellung der Stadt Bochum koordiniert die lokalen Maßnahmen. Ein zentraler Partner ist der ZONTA Club Bochum, eine Organisation berufstätiger Frauen, die sich weltweit für die Verbesserung der Lebenssituation von Frauen einsetzt. Diese Partnerschaft bündelt Expertise und Reichweite.

Die Umsetzung der Aktion in Bochum basiert auf konkreten Sichtbarkeitsaktionen. Zahlreiche markante Gebäude der Stadt werden orange illuminiert. Diese Öffentliche Beleuchtung soll Passanten bewusst an die Problematik erinnern und signalisieren, dass Bochum ein klares Bekenntnis ablegt: Gemeinsam gegen Gewalt vorzugehen.

Besonders hervorzuheben ist die Beteiligung des Sports. Der VfL Bochum 1848 nutzt seine große Reichweite im Profifußball, um das Thema zu transportieren. Die Unterstützung durch den Verein zeigt, dass die Verantwortung nicht nur bei politischen oder sozialen Institutionen liegt, sondern auch bei prominenten Akteuren der Zivilgesellschaft. Die Maßnahmen des VfL Bochum zielen darauf ab, den körperlichen und psychischen Schutz von Frauen zu stärken und die Sensibilisierung in einem breiten Publikum zu fördern.

Die lokalen Maßnahmen dienen nicht nur der symbolischen Sichtbarkeit, sondern auch der Vernetzung von Hilfsangeboten. Durch die öffentliche Präsenz sollen Betroffene einfacher Anlaufstellen und Beratungsstellen identifizieren können. Die Aktion Orange your City Bochum unterstreicht, dass die Bekämpfung von Gewalt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die durch das Zusammenwirken lokaler Akteure wie dem Referat für Gleichstellung und engagierten Organisationen wie dem ZONTA Club nachhaltig vorangetrieben wird.

Gewalt an Frauen und Mädchen: Die Dimension des Problems
Die Kampagne „Orange your City“ macht auf eine Realität aufmerksam, die tief in der Gesellschaft verankert ist: Geschlechtsspezifische Gewalt. Diese Gewalt reicht von psychischer Nötigung über Stalking bis hin zu schwerer körperlicher und sexualisierter Gewalt. Laut den jährlichen Statistiken des Bundeskriminalamtes (BKA) zur Partnerschaftsgewalt sind Frauen in Deutschland die überwiegende Mehrheit der Opfer. Die Zahlen zeigen eine hohe Prävalenz von Straftaten innerhalb des sozialen Nahraums. Über 80 Prozent der Opfer von Partnerschaftsgewalt sind weiblich. Die häufigsten Delikte sind dabei vorsätzliche einfache Körperverletzung, Bedrohung und Stalking.

Trotz der veröffentlichten Zahlen ist die Dunkelziffer bei geschlechtsspezifischer Gewalt hoch. Viele Taten, insbesondere häusliche Gewalt und psychische Übergriffe, werden aus Scham, Angst oder Abhängigkeit nicht angezeigt. Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Häufigkeit der Gewalterfahrungen deutlich höher liegt als in den offiziellen Polizeilichen Kriminalstatistiken (PKS) erfasst. Die mangelnde gesellschaftliche Enttabuisierung trägt dazu bei, dass das Problem in seiner vollen Dimension unterschätzt wird.

Die Folgen für Betroffene sind weitreichend und oft lebensverändernd. Sie beschränken sich nicht auf akute physische Verletzungen. Zu den gesundheitlichen Langzeitfolgen zählen chronische Schmerzen, Schlafstörungen, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) und Depressionen. Diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen häufig zu langwierigen Fehlzeiten und einer reduzierten Arbeitsfähigkeit. Die Gewalt wirkt sich zudem negativ auf die berufliche Leistungsfähigkeit, die soziale Teilhabe und die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen aus. Die gesellschaftliche Aufgabe besteht darin, nicht nur die Taten zu verfolgen, sondern auch die Folgen zu lindern und die Prävalenz durch strukturelle Maßnahmen zu senken.

Handlungspflicht für Betriebe und Personalverantwortliche
Gewalterfahrungen von Mitarbeiterinnen sind kein rein privates Problem. Sie beeinträchtigen die Konzentration, führen zu Fehlzeiten und erhöhen das Risiko für Arbeitsunfälle. Arbeitgeber und Personalverantwortliche tragen eine klare Verantwortung, abgeleitet aus der allgemeinen Fürsorgepflicht gemäß § 618 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Diese Pflicht umfasst auch den Schutz vor Beeinträchtigungen, die ihren Ursprung außerhalb des Betriebes haben, aber den Arbeitsplatz betreffen.

Insbesondere bei Stalking durch den Täter, das sich auf den Arbeitsort verlagert, muss der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen ergreifen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat klargestellt, dass der Arbeitgeber verpflichtet ist, das Persönlichkeitsrecht und die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen (BAG, 27.06.2006, 2 AZR 420/05). Hierzu gehören die Gewährleistung von Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz und die Vermeidung von direkten Kontakten mit dem Täter.

Für Betriebsräte ergeben sich aus dem Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) weitreichende Mitbestimmungs- und Initiativrechte. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG besteht ein Mitbestimmungsrecht bei Regelungen des Betrieblichen Gesundheitsschutzes. Dazu gehören Maßnahmen zur Prävention und zum Umgang mit psychischen Belastungen, die durch Gewalterlebnisse ausgelöst werden.

Praktische Schritte für Betriebe zur Erfüllung der Fürsorgepflicht:

  1. Sensibilisierung und Schulung: Führungskräfte und Betriebsräte müssen für die Anzeichen von Gewalt und die innerbetrieblichen Meldewege sensibilisiert werden.
  2. Vertrauliche Anlaufstellen: Die Etablierung interner, vertraulicher Beratungsstrukturen, beispielsweise über das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) oder das Employee Assistance Program (EAP). Die strikte Wahrung der Vertraulichkeit ist dabei oberstes Gebot, um das Vertrauen der Betroffenen zu gewinnen.
  3. Betriebsvereinbarungen: Der Abschluss einer Betriebsvereinbarung zur Prävention und zum Umgang mit sexueller Belästigung und Gewalt schafft klare Verfahrenswege und Sanktionen. Diese können spezifische Regelungen zum Schutz vor Stalking am Arbeitsplatz enthalten.
  4. Flexible Lösungen: Unterstützung von Betroffenen durch kurzfristige flexible Arbeitszeitregelungen oder die Möglichkeit, unbürokratisch Freistellung zu gewähren, um notwendige Termine bei Behörden, Polizei oder Beratungsstellen wahrzunehmen.

Der Betrieb muss einen sicheren Raum gewährleisten und aktiv zur Enttabuisierung des Themas beitragen, um eine Unternehmenskultur des Schutzes und der Mitarbeiterunterstützung zu fördern.

Unterstützungsstrukturen: Wo Betroffene Hilfe finden
Die erfolgreiche Bewältigung von Gewalt hängt maßgeblich von der Verfügbarkeit niedrigschwelliger und vertraulicher Unterstützungsstrukturen ab. Betroffene benötigen schnell und unbürokratisch Zugang zu Schutz und Beratung.

Eine zentrale bundesweite Anlaufstelle ist das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (08000 116 016). Dieses Angebot ist 24 Stunden täglich, anonym, kostenfrei und in 18 Sprachen verfügbar. Es bietet eine erste Krisenhilfe und vermittelt Betroffene schnell und qualifiziert weiter an lokale Beratungsstellen und Opferschutzeinrichtungen.

In Bochum und der Region existieren spezialisierte Einrichtungen. Dazu gehören die Frauenhäuser, die sofortigen Schutz und Unterkunft bieten, sowie Fachberatungsstellen, die psychosoziale, juristische und finanzielle Beratung leisten. Wichtige lokale Akteure, wie sie auch im Rahmen von „Orange your City Bochum“ beteiligt sind, arbeiten eng mit diesen Diensten zusammen.

Für Betriebsräte und Personalverantwortliche ist die Kenntnis dieser externen Strukturen entscheidend, da sie selbst keine therapeutische oder juristische Beratung leisten dürfen. Sie spielen eine wichtige Rolle als Vermittler, indem sie Betroffene auf diese Dienste hinweisen. Wichtig ist dabei, klarzustellen, dass die Kontaktaufnahme zu diesen Opferschutzorganisationen absolut vertraulich erfolgt und unabhängig vom Arbeitgeber ist. Die Existenz dieser Netze sichert ab, dass nach dem symbolischen Akt der Aufklärung konkrete, strukturelle Wege aus der Gewaltsituation aufgezeigt werden können.

Fazit: Ein dauerhaftes Engagement ist notwendig

Die Aktion Orange your City erfüllt eine essenzielle Funktion: Sie schafft Sichtbarkeit für ein gesellschaftliches Problem, das oft tabuisiert wird. Die symbolische Beleuchtung und die 16 Tage Aktivismus sind jedoch nur der Auftakt. Geschlechtsspezifische Gewalt ist ein strukturelles Problem. Die Prävalenz und die weitreichenden Folgen erfordern ein dauerhaftes, strukturelles Engagement aller Akteure.

Die Fürsorgepflicht endet nicht mit dem 25. November. Betriebe und Personalverantwortliche müssen Schutz- und Präventionsmaßnahmen kontinuierlich umsetzen. Betriebsräte müssen über Betriebsvereinbarungen nachhaltige Unterstützungsstrukturen sichern. Hierzu zählt die Schulung von Führungskräften und die Etablierung vertraulicher Anlaufstellen.

Nur durch diese kontinuierliche Arbeit in Prävention, Aufklärung und durch leicht zugängliche Unterstützung kann das Ziel einer gewaltfreien Gesellschaft erreicht werden. Die Verantwortung liegt bei der gesamten Gesellschaft.

Weiterführende Quellen

Orange your City | Stadt Bochum
https://www.bochum.de/Referat-fuer-Gleichstellung-Familie-und-Inklusion/Orange-your-City
Informationen zur Initiative des Referats für Gleichstellung der Stadt Bochum und des Bochumer ZONTA Clubs zur lokalen Umsetzung der Kampagne.

VfL Bochum 1848
https://www.vfl-bochum.de/news/2024/november/25/vfl-unterstutzt-orangeyourcity
Details zur Beteiligung des VfL Bochum 1848 an der Aktion „OrangeYourCity“ und die Verknüpfung mit dem Thema Schutz vor körperlicher und psychischer Gewalt.

Betriebsrat, Gleichstellung, Zonta