Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der Europäischen Union stellt eine signifikante Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsberichterstattung dar. Sie erweitert den Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen erheblich und führt detailliertere Berichtspflichten ein. Ziel ist es, die Transparenz und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsinformationen zu erhöhen, um Investoren und anderen Stakeholdern fundierte Entscheidungen zu ermöglichen und den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu fördern. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte der CSRD und gibt einen Überblick über die Anforderungen, Chancen und Herausforderungen für Unternehmen.
Was ist die CSRD und warum ist sie wichtig?
Die CSRD ist eine EU-Richtlinie, die darauf abzielt, die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen zu verbessern und zu standardisieren. Sie löst die bisherige Non-Financial Reporting Directive (NFRD) ab und führt deutlich umfassendere Berichtspflichten ein. Im Kern geht es darum, dass Unternehmen transparenter über ihre Auswirkungen auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) informieren. Dies soll Investoren, Konsumenten und anderen Stakeholdern ermöglichen, fundiertere Entscheidungen zu treffen und den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft zu beschleunigen.
Ein zentraler Bestandteil der CSRD sind die European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Diese Standards legen detailliert fest, welche Informationen Unternehmen in ihren Nachhaltigkeitsberichten offenlegen müssen. Die ESRS decken ein breites Spektrum an Themen ab, von Klimaschutz und Ressourceneffizienz über Arbeitsbedingungen und Menschenrechte bis hin zu Governance-Aspekten wie Compliance und Risikomanagement. Die Berichterstattung nach den ESRS soll vergleichbarer, relevanter und verlässlicher sein als bisher.
Die CSRD ist wichtig, weil sie einen entscheidenden Schritt hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft darstellt. Durch die verbesserte Transparenz und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsinformationen können Investoren und andere Stakeholder Unternehmen besser beurteilen und ihre Entscheidungen entsprechend ausrichten. Dies schafft Anreize für Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsperformance zu verbessern und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Die CSRD ist somit ein zentrales Instrument der EU-Nachhaltigkeitsstrategie, die darauf abzielt, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen und eine sozial gerechte Wirtschaft zu schaffen.
Für wen gilt die CSRD?
Der Geltungsbereich der CSRD ist deutlich größer als der der bisherigen NFRD. Die Berichtspflicht betrifft zukünftig eine breitere Palette von Unternehmen, darunter:
- Alle großen Unternehmen, unabhängig davon, ob sie börsennotiert sind oder nicht. Ein Unternehmen gilt als groß, wenn es mindestens zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt:
- Bilanzsumme von mehr als 25 Millionen Euro
- Umsatzerlöse von mehr als 50 Millionen Euro
- Mehr als 250 Mitarbeiter
- Börsennotierte KMU (kleine und mittlere Unternehmen), mit Ausnahme von Kleinstunternehmen. KMU haben jedoch eine Übergangsfrist und müssen die CSRD-Anforderungen erst später erfüllen.
- Nicht-EU-Unternehmen, die in der EU einen erheblichen Umsatz erzielen. Dies betrifft Unternehmen, die einen Nettoumsatz von mehr als 150 Millionen Euro in der EU erwirtschaften und mindestens eine Tochtergesellschaft oder Zweigniederlassung in der EU haben.
Es ist wichtig zu beachten, dass die CSRD auch Tochtergesellschaften betrifft, die Teil eines größeren Konzerns sind. Auch wenn eine Tochtergesellschaft selbst nicht die oben genannten Kriterien erfüllt, kann sie dennoch berichtspflichtig sein, wenn der Konzern insgesamt unter die CSRD fällt.
Die genaue Definition des Geltungsbereichs und die Umsetzungsfristen sind in der CSRD festgelegt und werden von den einzelnen EU-Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt. Unternehmen sollten sich daher frühzeitig mit den Anforderungen der CSRD auseinandersetzen und prüfen, ob sie unter die Berichtspflicht fallen.
US-amerikanische Unternehmen mit Tochtergesellschaften oder Geschäftsbeziehungen in der EU sollten ebenfalls die CSRD im Blick behalten, da sie indirekt betroffen sein können. (PwC: What US companies need to know about CSRD)
Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) im Detail
Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) bilden das Herzstück der CSRD und legen die konkreten Anforderungen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung fest. Sie sollen sicherstellen, dass Unternehmen vergleichbare und zuverlässige Informationen über ihre Nachhaltigkeitsleistungen bereitstellen. Die ESRS sind in verschiedene Bereiche unterteilt, die sich an den ESG-Faktoren (Umwelt, Soziales und Governance) orientieren. Sie umfassen sowohl allgemeine Standards als auch themenspezifische Standards.
Allgemeine Standards legen die grundlegenden Prinzipien und Anforderungen für die Berichterstattung fest, wie z. B. die Wesentlichkeitsanalyse (auch bekannt als Doppelten Wesentlichkeit), die Bestimmung der Berichtsgrenzen und die Sicherstellung der Datenqualität. Die doppelte Wesentlichkeit bedeutet, dass Unternehmen sowohl über die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf die Umwelt und die Gesellschaft berichten müssen (Impact Materiality) als auch über die finanziellen Risiken und Chancen, die sich aus Nachhaltigkeitsthemen ergeben (Financial Materiality).
Die themenspezifischen Standards gliedern sich in die drei ESG-Bereiche:
- Umweltstandards (E): Diese Standards umfassen Themen wie Klimawandel, Umweltverschmutzung, Wasser- und Ressourcenmanagement, Biodiversität und Kreislaufwirtschaft. Unternehmen müssen beispielsweise über ihre Treibhausgasemissionen, ihren Energieverbrauch, ihre Maßnahmen zur Reduzierung von Umweltbelastungen und ihre Beiträge zum Schutz der biologischen Vielfalt berichten.
- Sozialstandards (S): Diese Standards beziehen sich auf Themen wie Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Gleichstellung, Diversität und Inklusion, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Beziehungen zu Gemeinschaften. Unternehmen müssen beispielsweise über ihre Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit, zur Verhinderung von Diskriminierung, zur Gewährleistung sicherer Arbeitsbedingungen und zur Achtung der Menschenrechte in ihrer Wertschöpfungskette berichten.
- Governance-Standards (G): Diese Standards umfassen Themen wie Unternehmensführung, Risikomanagement, Compliance, Ethik und Korruptionsbekämpfung. Unternehmen müssen beispielsweise über die Zusammensetzung ihrer Führungsgremien, ihre Vergütungspolitik, ihre Maßnahmen zur Bekämpfung von Korruption und ihre Prozesse zur Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften berichten.
Die ESRS sind so konzipiert, dass sie mit anderen internationalen Nachhaltigkeitsstandards und ‑rahmenwerken wie den Global Reporting Initiative (GRI) Standards und den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) kompatibel sind. Dies soll Unternehmen die Berichterstattung erleichtern und die Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsinformationen verbessern.
Die Nachhaltigkeitsziele spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Unternehmen sind angehalten, darzulegen, wie ihre Aktivitäten zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) beitragen.
Implementierung der CSRD: Herausforderungen und Chancen
Die Implementierung der CSRD stellt Unternehmen vor eine Reihe von Herausforderungen, bietet aber gleichzeitig auch erhebliche Chancen. Zu den größten Herausforderungen gehören:
- Datenmanagement: Die CSRD erfordert eine umfassende Datenerfassung und ‑verwaltung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Unternehmen müssen in der Lage sein, relevante Daten zu identifizieren, zu sammeln, zu validieren und zu analysieren. Dies erfordert häufig Investitionen in neue Technologien und Prozesse.
- Expertise: Die Umsetzung der ESRS erfordert spezialisiertes Wissen und Fachkenntnisse in den Bereichen Nachhaltigkeit, Berichterstattung und Datenmanagement. Unternehmen müssen möglicherweise interne Ressourcen aufbauen oder externe Berater hinzuziehen.
- Stakeholder-Engagement: Die CSRD erfordert einen intensiven Dialog mit verschiedenen Stakeholdern, um deren Erwartungen und Bedürfnisse zu verstehen und in die Berichterstattung einzubeziehen. Dies erfordert eine offene und transparente Kommunikation.
- Wesentichkeitsanalyse: Die Durchführung einer fundierten Wesentlichkeitsanalyse, die sowohl die Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft als auch die finanziellen Auswirkungen von Nachhaltigkeitsthemen berücksichtigt, ist komplex und zeitaufwendig.
Trotz dieser Herausforderungen bietet die CSRD Unternehmen auch eine Reihe von Chancen:
- Verbesserte Transparenz und Glaubwürdigkeit: Durch die transparente und vergleichbare Berichterstattung können Unternehmen das Vertrauen von Investoren, Kunden, Mitarbeitern und anderen Stakeholdern stärken.
- Risikomanagement: Die CSRD hilft Unternehmen, Nachhaltigkeitsrisiken frühzeitig zu erkennen und zu managen. Dies kann dazu beitragen, finanzielle Verluste und Reputationsschäden zu vermeiden.
- Wettbewerbsvorteile: Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsleistung verbessern und transparent darüber berichten, können sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und neue Märkte erschließen.
- Innovation und Effizienz: Die CSRD kann Unternehmen dazu anregen, innovative Lösungen zu entwickeln und ihre Prozesse effizienter zu gestalten, um ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
- Zugang zu Kapital: Investoren berücksichtigen zunehmend Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Anlageentscheidungen. Unternehmen, die eine gute Nachhaltigkeitsperformance aufweisen, haben einen besseren Zugang zu Kapital.
Um die Implementierung der CSRD erfolgreich zu bewältigen, sollten Unternehmen einen strukturierten Ansatz verfolgen. Dazu gehören die Durchführung einer Wesentlichkeitsanalyse, die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie, die Implementierung geeigneter Datenmanagementprozesse, die Schulung der Mitarbeiter und die regelmäßige Überprüfung und Verbesserung der Berichterstattung.
CSRD und die Auswirkungen auf die Nachhaltigkeitsstrategie von Unternehmen
Die CSRD hat erhebliche Auswirkungen auf die Nachhaltigkeitsstrategie und ‑prozesse von Unternehmen. Sie zwingt Unternehmen dazu, ihre Nachhaltigkeitsziele zu überdenken, ihre Risikomanagementprozesse anzupassen und ihre Wertschöpfungsketten nachhaltiger zu gestalten.
Die Nachhaltigkeitsstrategie muss nun umfassender und detaillierter sein als zuvor. Unternehmen müssen klare Ziele für die Reduzierung ihrer Umweltauswirkungen, die Verbesserung ihrer sozialen Leistung und die Stärkung ihrer Governance festlegen. Diese Ziele müssen messbar, erreichbar, relevant und terminiert (SMART) sein.
Das Risikomanagement muss um Nachhaltigkeitsrisiken erweitert werden. Unternehmen müssen systematisch Risiken identifizieren, bewerten und managen, die sich aus Umwelt- und Sozialthemen ergeben. Dazu gehören beispielsweise Klimarisiken, Ressourcenknappheit, Menschenrechtsverletzungen und Korruption.
Die Due Diligence (Sorgfaltspflicht) spielt eine zentrale Rolle. Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie ihre Sorgfaltspflicht in Bezug auf Nachhaltigkeit in ihrer gesamten Wertschöpfungskette wahrnehmen. Das bedeutet, dass sie ihre Lieferanten und Geschäftspartner auf ihre Nachhaltigkeitsleistung überprüfen und Maßnahmen ergreifen, um negative Auswirkungen zu minimieren. Die Europäische Kommission stellt hierzu Informationen bereit: Corporate sustainability due diligence – European Commission – Diese Quelle erläutert die Bedeutung der Sorgfaltspflicht im Kontext der Nachhaltigkeit und wie Unternehmen ihre Aktivitäten in der gesamten Wertschöpfungskette verantwortungsbewusster gestalten können.
Die Wertschöpfungskette muss unter Nachhaltigkeitsaspekten transformiert werden. Unternehmen müssen ihre Prozesse und Produkte so gestalten, dass sie weniger Ressourcen verbrauchen, weniger Emissionen verursachen, weniger Abfall produzieren und soziale Standards verbessern. Dies erfordert häufig eine enge Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden.
Die CSRD kann auch zu einer Transformation der Unternehmenskultur führen. Unternehmen müssen eine Kultur der Nachhaltigkeit fördern, in der alle Mitarbeiter sich ihrer Verantwortung für die Umwelt und die Gesellschaft bewusst sind und sich aktiv an der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie beteiligen. Dies erfordert eine Sensibilisierung der Mitarbeiter, die Bereitstellung von Schulungen und die Schaffung von Anreizen für nachhaltiges Verhalten.
Die Rolle der Technologie bei der CSRD-Berichterstattung
Technologie spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der komplexen Anforderungen der CSRD-Berichterstattung. Die schiere Menge an Daten, die gesammelt, analysiert und berichtet werden müssen, erfordert den Einsatz spezialisierter Softwarelösungen und digitaler Tools.
Datenmanagement ist ein zentraler Aspekt. Unternehmen benötigen Systeme, die es ihnen ermöglichen, Nachhaltigkeitsdaten aus verschiedenen Quellen zu erfassen, zu integrieren und zu verwalten. Dies umfasst Daten über Energieverbrauch, Emissionen, Wasserverbrauch, Abfallmanagement, soziale Aspekte wie Arbeitsbedingungen und Menschenrechte sowie Governance-bezogene Informationen.
Reporting-Tools sind unerlässlich, um die Daten in standardisierte Berichte gemäß den ESRS-Anforderungen zu überführen. Diese Tools helfen, die Berichterstattung zu automatisieren, die Genauigkeit der Daten zu gewährleisten und die Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen zu verbessern.
Darüber hinaus ermöglichen fortschrittliche Analysetools, Einblicke in die Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens zu gewinnen. Diese Einblicke können genutzt werden, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren, Risiken zu managen und die Nachhaltigkeitsstrategie zu optimieren.
Die erfolgreiche Implementierung von Technologie in der CSRD-Berichterstattung erfordert eine sorgfältige Planung und die Auswahl der richtigen Tools und Lösungen. Unternehmen sollten sicherstellen, dass ihre Technologieinfrastruktur den Anforderungen der CSRD entspricht und dass ihre Mitarbeiter über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen, um die Technologie effektiv zu nutzen.
Fazit
Die CSRD stellt einen Wendepunkt in der Nachhaltigkeitsberichterstattung dar. Sie verpflichtet eine breitere Palette von Unternehmen zur Offenlegung detaillierter Informationen über ihre Umwelt‑, Sozial- und Governance-Auswirkungen. Dies fördert die Transparenz und ermöglicht es Stakeholdern, fundierte Entscheidungen zu treffen. Die ESRS bieten einen klaren Rahmen für die Berichterstattung, während Technologie eine entscheidende Rolle bei der effizienten Datenerfassung und ‑analyse spielt. Die CSRD ist nicht nur eine Compliance-Anforderung, sondern auch eine Chance für Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsleistung zu verbessern und einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft zu leisten.
Weiterführende Quellen
- Corporate sustainability reporting – European Commission – Offizielle Seite der Europäischen Kommission zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen, die einen Überblick über die CSRD und die zugehörigen European Sustainability Reporting Standards (ESRS) bietet.
- EU Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) | Climate … – Diese Quelle bietet Informationen über die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und ihre Auswirkungen auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der EU.
- What US companies need to know about CSRD: PwC – Diese Quelle bietet einen Überblick darüber, was US-amerikanische Unternehmen im Zusammenhang mit der CSRD wissen müssen, was besonders relevant ist, wenn sie Tochtergesellschaften oder Geschäftsbeziehungen in der EU haben.
- Corporate sustainability due diligence – European Commission – Diese Quelle der Europäischen Kommission erläutert die Bedeutung der Sorgfaltspflicht im Kontext der Nachhaltigkeit und wie Unternehmen ihre Aktivitäten in der gesamten Wertschöpfungskette verantwortungsvoller gestalten können.